Unsere berufspolitischen Ziele

 

  • Deutliche Vergütungssteigerungen
  • Zertifikate in die Ausbildung integrieren
  • Ausbildungsreform umsetzen
  • Abbau der Bürokratie
  • Abschaffung des Schulgeldes in allen Bundesländern
  • Keine Verkammerung

 

  • Endlich eine wertschätzende Vergütung für gute Therapie!

Trotz der aktuellen Anhebungen der Vergütungen um rund 30 Prozent in einem Zeitraum von drei Jahren klafft nach den ver.di Tarifabschlüssen im April 2018 eine riesige Lücke zwischen den Verdiensten im ambulanten und stationären Bereich. Der Unterschied liegt nach den Erhöhungen bei rund 28 Prozent.

Nach einer qualifizierten Ausbildung und einer Staatsprüfung in einem Medizinfachberuf, genauer gesagt einem Heilberuf, liegen die Gehälter knapp über dem Mindestlohn und im Niedriglohnbereich. Ein Physiotherapeut verdient im Median 2269,- Euro. (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)

Ursache: Die gesetzlichen Krankenkassen vergüten physiotherapeutischen Leistungen unangemessen niedrig. Die aktuellen Erhöhungen berücksichtigen lediglich den Ausgleich der vergangenen Jahre. Ein Abschluss mit den Krankenkassen über 30 Prozent war auch nach der Aufhebung der Grundlohnsummenbindung leider nicht durchsetzbar.

  • Zertifikatspositionen in die Ausbildung integrieren!

2013 hatten die Zertifikatspositionen ausweislich des GKV-HIS noch einen Anteil am Ausgabevolumen für Physiotherapie von 41,05 %. Die Tendenz ist seit Jahren steigend, und zwar mit etwa einem Prozent pro Jahr. Aktuell beträgt der Anteil 46 Prozent. Die Ausbildungen zum Physiotherapeuten bzw. Masseur und med. Bademeister werden hiermit entwertet. Von ihrem geringen Gehalt bezahlen die jungen Therapeuten auch noch die teuren Fortbildungen. Zertifikatskurse in MLD werden seit Jahren von den Arbeitsagenturen finanziert – direkt nach dem Examen geht es zur Arbeitsagentur, damit man den MLD-Kurs gefördert bekommt. Das entlastet die Absolventen zwar finanziell, dennoch empfinden es viele von ihnen zu Recht als entwürdigend, nach einem Ausbildungsabschluss zuerst zur Arbeitsagentur und dann wieder auf die Schulbank zu müssen! Die Zertifikatsbehandlungen gehören in die Ausbildung! Wie in jedem anderen Beruf auch darf der Weg zur Ausübung des Gelernten nicht verbaut sein!

  • Ausbildungsreform umsetzen!

Der VDB-Physiotherapieverband überreichte der Politik im Juni 2018 Konzepte zu neuen lernfeldorientierten Ausbildungs- und Prüfungsordnungen. Die Arbeitsgemeinschaft „Schule“ des VDB-Physiotherapieverbandes unter der Leitung von Wolfgang Oster, Dipl. Med. Päd., Physiotherapeut, Geschäftsführer des Berufsförderungswerks Mainz gGmbH erarbeitete eine lernfeldorientierte Ausbildungs- und Prüfungsverordnung. Die Vorschläge integrieren die „Zertifikate“ Manuelle Therapie, medizinisches Gerätetraining (ex: KG Gerät), physiotherapeutisch-neurologische Techniken (ex KG-Neuro) sowie Präventionsarbeit und Rehabilitationssport in die Ausbildung. Die Massageausbildung gliedert die manuelle Lymphdrainage ein. Die Absolventen werden befähigt, entsprechende Leistungen gegenüber den Gesetzlichen Krankenkassen zu erbringen. Wird das Konzept umgesetzt, entfielen kostspielige Weiterbildungen- mit Basisqualifikationen- nach der Ausbildung. Das Konzept bietet Antworten auf künftige Anforderungen durch Delegation und Substitution. Die Ausbildung muss künftig die Fähigkeiten zur Anamnese und zum eigenständigen Befund auf dem Gebiet der Physiotherapie sowie der Physikalischen Therapie vermitteln, inklusive der Befähigung zur Erkennung der Grenzen des eigenen Tätigkeitsfeldes. Der Überarbeitung der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (APrVO) des Bundes aus dem Jahr 1994 für die Ausbildungen der Berufe Physiotherapeut sowie Masseur und med. Bademeister nach dem Gesetz über die Berufe in der Physiotherapie (MPhG) des Bundes vom 26. Mai 1994 (BGBl. I S. 2515) bedürfen sowohl die Inhalte als auch die Gliederung der derzeit geltenden Ausbildungs- und Prüfungsverordnung. Der Aufbau soll künftig nicht mehr einer Orientierung an Behandlungstechniken folgen, sondern einer Unterteilung in Lernfelder. Die Vorschläge zeigen, dass die Grundlagen für ein Berufsleben als „reflektierender Praktiker“ mit den Fähigkeiten zum Verständnis wissenschaftlicher Evidenz und ihrer Umsetzung in therapeutisches Handeln sowie zur interdisziplinären Zusammenarbeit in einem komplexen Berufsumfeld mit multimodalen Störungsbildern in einer Fachschulausbildung gelegt werden können. Ziel ist die Erreichung einer Qualifikation auf dem Niveau des deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) Level 6. Es bedarf hierfür nicht der grundständigen akademischen Ausbildung im Rahmen eines Bachelorstudiums. Der VDB-Physiotherapieverband sieht den Bedarf für akademisch ausgebildete Physiotherapeuten mit Abschlüssen ab Bachelor wie der Wissenschaftsrat etwa bei 10 – 20 Prozent der Berufsangehörigen. Künftig bedarf es eines begrenzten Anteils akademisch gebildeter Praktiker für Forschung und Lehre sowie zur Leitung von größeren Teams und Einrichtungen bei der Bewältigung komplexer Behandlungsaufgaben.

  • Keine Kammer für Physiotherapeuten und Masseure!

Eine solche Kammer würde keines der Probleme lösen, die die Berufsgruppen derzeit haben. Sie ist weder zuständig für die dringend notwendige Reform der Ausbildung und die Abschaffung des Zertifikatssystems, noch kann sie Einfluss nehmen auf die Vergütungssituation. Eine Kammer kostet aber jeden Berufsangehörigen ganz sicher Geld! Und sie bringt neue bürokratische Verpflichtungen mit sich!

  • Die Bürokratie der gesetzlichen Krankenkassen muss reduziert werden!

Für die geringen Vergütungen müssen die Leistungserbringer auch noch bürokratische Hilfsarbeiten für die Krankenkassen erledigen, etwa die Prüfung der ärztlichen Verordnungen auf Mängel. Es ergibt sich eine systemwidrige und für alle Beteiligten unerträgliche Situation: Die Therapeuten werden zu Kontrolleuren der Ärzte. Systemwidrig ist auch die wirtschaftliche Haftung der Therapeuten für Verordnungspannen der Ärzte

  • Schulgeld abschaffen!

Eine der Ursachen des Fachkräftemangels liegt in der Erhebung von Schulgeld für die Ausbildung. Massage- und Physiotherapieschüler müssen derzeit zwischen 250,- und 400,- Euro im Monat für ihre Ausbildung aufwenden, während in allen anderen Berufen eine Ausbildungsvergütung zu zahlen ist. In Deutschland wird die Ausbildung von Physiotherapeuten durch Privatschulen gesichert, welche zur Finanzierung ihrer Ausbildung Schulgeld erheben müssen. Der Anteil der Absolventen von Privatschulen liegt bei 83 Prozent. Im Koalitionsvertrag ist die Schulgeldfreiheit geplant, doch ist damit zu rechnen, dass eine Regelung auf Bundesebene noch einige Zeit dauern wird. Interessierte Schüler warten nun mit dem Beginn ihrer Ausbildung ab, bis diese Regelung umgesetzt ist. Durch den zu erwartenden Rückgang der Schülerzahlen und den daraus resultierenden möglichen Ausfall kompletter Klassen geraten Schulen wirtschaftlich in Schieflage, was letztendlich die Schließung dieser Schulen bedeuten wird. Schon heute erreichen uns Rückmeldungen, dass die Schüler mit der Einschreibung abwarten, bis das Thema Schulgeldfreiheit geklärt ist. Dies führt aktuell zu geringeren Schuleinschreibungen als noch vor einem Jahr. Somit ist damit zu rechnen, dass sich die Situation kurzfristig deutlich verschärfen wird. Aus den genannten Gründen plädieren wir für eine zügige Abschaffung des Schulgeldes in allen Bundesländern.

Die genannten Punkte führten in ihrer Gesamtheit zu einem Fachkräftemangel in der Physiotherapie. Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit zeigt halbjährlich eine deutliche Steigerung der prekären Situation. Aktuell ist die flächendeckende Versorgung der Patienten mit physiotherapeutischen Leistungen nicht mehr gewährleistet.