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Hauptstadtkongress im Zeichen der Digitalisierung

Der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit ist mit mehr als 8.000 Entscheidern aus Politik, Verbänden, Gesundheitswirtschaft und -management, Versicherungen, Wissenschaft, Medizin und Pflege die jährliche Leitveranstaltung der Branche. In diesem Jahr stand die Veranstaltung ganz im Zeichen der Digitalisierung und unter dem Motto: „Gesundheitspolitik, Gesundheitsversorgung, Gesundheitsberufe in Zeiten des digitalen Wandels“.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wies in seiner Eröffnungsrede Kritik an den Plänen für die elektronische Patientenakte zurück. Die Hoheit über die Patientenakte liege beim Patienten, der bestimme den Arzt, der dann Zugriff auf die Daten habe. Im ersten Schritt könne der Patient aber noch nicht festgelegen, welche Inhalte zur Ansicht freigegeben sind. Das sei jedoch das Ziel, stellte Spahn klar.
Der Gesundheitsminister verteidigte das Tempo, mit dem er Veränderungen vorantreibe und erklärte die Notwendigkeit an mehreren Beispielen, unter anderem an der Situation der Heilmittelerbringer. Eine flächendeckende Versorgung funktioniere nur wenn Versorgung auch Freude mache. Das Gegenteil ist bei den Heilmittelerbringern der Fall, dort hat sich viel Frust angestaut. „Wenn wir das erkennen, nutzen wir auch ein laufendes Gesetzgebungsverfahren, um es zu ändern und die Rahmenbedingungen zu verbessern“, so Spahn. Handlungsbedarf bestehe auch auch in der Novellierung der Berufsgesetze: „Wenn wir die Digitalisierung wollen, kommen wir mit Berufsgesetzen von 1964 nicht weit“.
Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung diskutierten Maria Klein-Schmeink, MdB, Bündnis 90/Die Grünen, Klaus Overdieck, DAK-Gesundheit, Diethild Remmert, LOGO Deutschland und Uwe Borcherts, Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL zum Thema Gesundheitsberufe im Aufwertungsprozess! Wünsch Dir was – oder wird das was?“ im Ausstellerbereich. In der Diskussion wünschte sich Maria Klein- Schmeink für die Therapeuten die gleiche Aufmerksamkeit, die derzeit für die Digitalisierung aufgebracht werde. Die Angleichung der Entgelte auf Bundesebene sei nur eine nachholende Geschichte.Sie appellierte an die Krankenkassen: „So geht es schlicht weg nicht weiter!“ Eine hervorragende Leistung sei hier für ganz wenig Geld zu haben. Diethild Remmert von Logo- Deutschland mahnte, der Fachkräftemangel komme nicht von ungefähr. Und: „Von Wertschätzung alleine kann man nicht leben“. Uwe Borchert resümierte abschließend: „ Aufwertung kann man diskutieren, aber nicht verordnen, man muss sie erarbeiten.“

Ebenfalls unter dem großen Motto des Hauptstadt Kongresses 2019, der Digitalisierung, stand die Kurzvortragreihe „Jeder redet von Prävention: Das Internet macht’s“. Konkret ging es hier um den Markt für webbasierte Versorgungsangebote – den Status quo, Treiber und Hürden. Moderiert wurde die Reihe von Maren Puttfarcken von der Techniker Krankenkasse, die gleich zu Beginn noch einmal darauf hinwies, wie weit zurück Deutschland mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens – im Vergleich zu etwa Dänemark – sei. Die elektronische Patientenakte beispielsweise ist dort schon seit 2003 im Einsatz.

Dass die Digitalisierung aber auch hierzulande mit großen Schritten voranschreitet, wurde schon im ersten Vortrag von Dr. Alexander Schachinger von der EPatient RSD GmbH deutlich. Er wies darauf hin, dass Gesundheitsanwendungen im Netz im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 7% häufiger genutzt werden. Thorsten Weber von der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft erklärte in seinem Vortrag, dass die meisten der Gesundheits-Apps derzeit noch im Wellness-Sektor angesiedelt seien, während die Felder Diagnose und Intervention recht kurz kommen würden.

Dr. Markus Müschenich von Flying Health veranschaulichte durch seinen Vortrag ein besonderes Einsatzfeld für Apps aus dem Gesundheitssektor in der Tertiärprävention und deren Bedeutung für diese. Durch den Einsatz besonderer Anwendungen könnten Patienten länger ambulant zu Hause gepflegt werden. Um das aktive Altern ging es in dem Vortrag von Prof. Peter Mayer von der Fachhochschule Burgenland. Er illustrierte wie Apps in Zukunft älteren Menschen bei der Erhaltung ihrer Gesundheit und der aktiven Partizipation mit sozialen Umwelten helfen könnten – sogenanntes „Active Assisted Living“. Im letzten Vortrag der Reihe verwies Prof. Dr. Arno Elmer darauf, dass Apps als mobile Gesundheitshelfer den Menschen unterstützen können und werden und auf dem Weg in den ersten Gesundheitsmarkt seien.

VDB-Physiotherapieverband / Öffentlichkeitsarbeit