Berufspolitik

Doch keine Schulgeldfreiheit für Therapeuten in Bayern?

Das Kultusministerium plant eine Übernahme der Schulgeldkosten von lediglich 51 Prozent. Vor der Wahl hatte die Regierungskoalition eine komplette Finanzierung aus Haushaltsmitteln versprochen.

Eigentlich sollte das Schulgeld für Therapieberufe in Bayern abgeschafft werden. So kommunizierte es die bayerische Staatsregierung noch im September an die Presse. Die Landesregierung verankerte schließlich die Schulgeldfreiheit in den Koalitionsvertrag. Nun -in der konkreten Planungsphase- rückt das Kultusministerium von der vollständigen Kostenübernahme ab. Plötzlich ist nur noch von rund 152 Euro im Monat pro Schüler in Form eines sogenannten Gesundheitsbonus die Rede. Bei den Masseuren sieht es mit rund 145 Euro noch schlechter aus. Eine Summe, die längst nicht ausreicht, wie aus Kreisen der privaten Schulträger zu erfahren ist. Gerade die Hälfte der Kosten sind damit gedeckt. Rund 300 Euro im Monat sei das Mittel der privaten Berufsfachschulen in Bayern. Damit ist die Finanzierung der privaten Berufsfachschulen für Therapieberufe nur zu ca. 51 Prozent erfüllt. Nicht nur die Vertreter der Schulen zeigen sich verwundert über die plötzliche Kehrtwende des Kultusministeriums, auch der VDB-Physiotherapieverband schlägt Alarm. „Wenn die Politik an der geplanten Finanzierungshöhe festhält, werden sich die Schülerzahlen noch weiter drastisch reduzieren,“ mahnt Marcus Troidl, Bundesvorsitzender des VDB-Physiotherapieverbandes. „Insbesondere die Gesundheitsberufe werden dringend benötigt. Schon jetzt herrscht ein massiver Fachkräftemangel, der sich dadurch noch weiter verschärfen wird.“

Die nun geplanten Änderungen der bayerischen Staatsregierung verschärfen die prekäre Situation und schlimmer noch, könnten sie Schulen zur Schließung zwingen. Denn: „Der Schulträger einer staatlich anerkannten Berufsfachschule für Physiotherapie erhält für Vollzeitklassen mit 23 oder mehr Schülerinnen bzw. Schülern einen Zuschuss von rund 42.000 Euro je Klasse und Schuljahr nur, wenn der Träger darauf verzichtet, unmittelbar von den Schülerinnen bzw. Schülern Schulgeld zu erheben.

In einem kürzlichen Treffen der privaten Schulträger mit den zuständigen Personen im Ministerium wurde von Seiten des Ministeriums noch einmal bekräftigt, dass für das Jahr 2019 lediglich ein Betrag von rd. 12,6 Mio. EUR und für das Jahr 2020 ein Betrag von rd. 14,5 Mio. EUR im Doppelhaushalt vorgesehen ist. Benötigt wird allerdings ein Betrag von mindestens 28 Mio. EUR pro Jahr.

Im Klartext bedeutet eine Zustimmung, die sofortige Schließung der Schulen. „Es ist vollkommen unrealistisch Betriebskosten auf rund 51 Prozent runterzufahren und die gleiche Qualität zu liefern, sagt Marcus Troidl. Wenn nur rund 51 Prozent der Kosten übernommen werden, wie soll der Schulbetrieb weiter funktionieren? „Das ist eine vorsätzliche Qualitätsminderung der Ausbildung aller Gesundheitsberufe in Bayern“, verdeutlicht der Vorsitzende des VDB-Physiotherapieverbandes verärgert. (dad)

Öffentlichkeitsarbeit / VDB-Physiotherapieverband